Der Fall Seumestraße 2: Wie Padovicz Bewohner*innen wegmobbt

2002 standen die Häuser Seumestraße 1 / 2 im Friedrichshain zu 50% leer. Eigentümer war/ist die Siganadia Grundbesitz GmbH (Padovicz) / Hausverwaltung Factor (Tragsdorf). Die Wohnungen waren in einem desolaten Zustand und eigentlich war eine Sanierung/Modernisierung geplant. Bis 2011 füllte sich das Haus wieder mit Mieter*innen. Ich hatte mit einem WG-Mitbewohner einen unbefristeten Mietvertrag und Mietfreiheit für die Zeit von Renovierungsarbeiten ausgehandelt. Im Herbst 2011 kam die erste pauschale Mieterhöhung über 50 Euro, die laut Mieterberatung ignoriert werden konnte. Im September 2012 hatten alle Mietparteien eine umfangreiche Modernisierungsankündigung im Briefkasten.

Gleich am selben Tag trafen sich Mieter*innen an der Hausecke und wenig später gab es eine Versammlung in einer Wohnung. Ein Anwalt, ein ehemaliger Mitbewohner, war auch dabei. Manche Bewohner*innen wurden später von ihm vertreten. Den juristischen Streit musste jede Mietpartei einzeln auskämpfen und einige von ihnen ließen sich auf eine durch Factor angebotene Umsetzwohnung ein. Die angebotenen Umsetzwohnungen lagen zum großen Teil für 2012/13 im Friedrichshain schon im oberen Preissegment. Zum Beispiel eine 43qm Wohnung in der Simplonstraße 17 für 568,63 € oder 38 qm in der Neue Bahnhofstr. 34 für 331,28 €. Andere suchten selbst, da es zu der Zeit noch bezahlbare Wohnungen gab, und zogen aus. Regelmäßige Mieter*innen-Treffen gab es nicht und auch keine Protestaktionen. Widerstand leisteten zum Schluß gerade 8 Mietparteien.

Bis zur Modernisierungsankündigung wurde für die Instandhaltung des Hauses nur das notwendigste gemacht. Hausmüll und ab und zu Rattenbekämpfung. Während der Modernisierungsarbeiten leerte sich das Haus nach und nach. Zwei Wasserschäden im Bad aus die darüberliegenden leerstehenden Wohnung wurden lange hartnäckig ignoriert. Je mehr Mietparteien auszogen, je mehr wurde der Innenhof zum wachsenden Müllberg. Der Hausmüll wurde nicht mehr regelmäßig abgeholt. Im Sommer 2013 wurden die leeren Wohnungen entkernt und die Fenster herausgenommen. Neben der ständigen Lärmbelästigung, wurden zum Teil Sperrmüll, Sanitäranlagen, Heizkörper und Bauschutt über die Fenster auf den Hof entsorgt. Die Baustelle war nicht richtig gesichert und die Entsorgung zum Teil für die verbleibenden Mieter*innen lebensgefährlich. Die Einrüstung der Hausfrontseite im November 2013 führte zu zusätzlicher Beunruhigung. Das Haus kühlte in dem Winter durch die fensterlosen leeren Wohnungen extrem aus. Die noch bewohnten Wohnungen wurden trotz hohem Kohleeinsatz kaum noch warm. Im Frühjahr und Sommer 2014 verschärfte sich die Lage noch weiter: Die Tür zum Hauseingang ließ sich nicht mehr schließen, das Licht im Hausflur ging nicht mehr oder brannte Tag und Nacht, die Keller wurden aufgebrochen und die Schornsteine wurden ausgebrannt. Durch das Ausbrennen der Schornsteine war klar, dass das Haus nicht mehr durch die Öfen beheizbar sein wird. Lärm, Dreck, Unsicherheit waren seit 2013 vorherrschend.
Die Bauarbeiter schienen Wanderarbeiter zu sein. Sie waren in einer Wohnung im Objekt untergebracht.

Bei der Modernisierungsankündigung wurden Sanierung und Modernisierung vermischt und es war sehr mühsam für den Anwalt diese aus dem umfangreichen Papier herauszuarbeiten. Nach einer Teilanerkennung, kam es im abschließenden Prozess zu einem Vergleich mit einer Abschlagszahlung.

Mehr zum Fall Seumestraße 1 / 2 gab es 2014 im Mieterecho unter dem Titel „Modernisierung mit dem Vorschlaghammer“

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