Geländererkundung und Polittalk zur Bebauung Rummelsburger Bucht

Das Wasserfest in der Rummelsburger Bucht, wurde am 1. September genutzt um auf die gigantomanen Bauvorhaben „An der Mole“ aufmerksam zu machen. Die BVV-Lichtenberg will am 18. Oktober den Bebauungsplan für das Gebiet final beschließen und damit den Weg frei machen für „Coral World“, die Howoge und v.a. Padovicz, der dort Wohnhäuser abreißen will, um neue Luxuriösere zu bauen. Verteiltes Flugblatt als PDF

„Die Bebauung wird beschlossen – versprochen“ (Bürgermeister Grunst)
Der Tag begann mit einem „Speed-Dating“ zu dem Bürgermeister Grunst (Linke) und Baustadträtin Monteiro (SPD) eingeladen hatte. Eine Stunde wurde mit den beiden und einem Vertreter des Vereins WiR (Wohnen in Rummelsburg) debattiert was alles verdrängt wird, wenn „ab 2019 die Bagger kommen“ (Zitat Grunst). Das fängt bei Wohnhäusern in der Hauptstraße an (rund 30 Mietparteien), geht über Ateliers/Werkstätten/Getränkehandel/Fahrzeughandel, alternativen Gastrobetrieben (z.B. Rummels Bucht Biergarten) über einen Bootsverleih hinzu einem Naherholungsgebiet und Unterschlupf für so manche obdachlose Menschen. Letztere sind vor allem dem WiR Verein ein Dorn im Auge. Statt sich um die Belange des täglichen Bedarfs (wie wäre es denn mit einem Toilettenhäuschen, wie die Bootsanleger flussabwärts eines vom WiR-Verein gesponsert bekommen haben?) zu kümmern, werden Wohnungslose als Störfaktor wahrgenommen, die möglichst versteckt leben sollen.

Mehr als nur Brachfläche
Nachdem die Argumente in aller Breite und Emotionalität dargelegt wurden, fand ab 14 Uhr ein Rundgang durch das Gebiet statt, was platt gemacht und neu bebaut werden soll. Zu den rund 60 Teilnehmenden zählten neben einigen Bezirkspolitiker*innen – offensichtlich sind sich die Parteien doch nicht so einig was die Bebauung angeht – Leute aus dem Kiez und Menschen die konkret von der Bebauung bedroht werden. Insbesondere die Mieter*innen der Padovicz-Immobilien (Wohnhäuser, Gewerbetreibene, Garagen, Werkstätte und ein kleiner Wagenplatz) machten auf ihre Situation aufmerksam. Sie bekommen seit Jahren nur noch 3-Monats-Verträge und sind in Hab-Acht-Stellung. Die Zerstörung sozialer Strukturen durch Padovicz läuft in den Wohnhäusern seit Jahren. Einerseits weil die Häuser immer mehr verfallen, aber auch indem das selbstorganisierte Hof-Wohnzimmer regelmäßig auf dem Sperrmüll landet. Die 1920 erbauten Häuser werden entmietet und heruntergewirtschafet. Seit Jahren steht ein Drittel mit Wissen des Bezirksamts leer. Regelmäßig werden Menschen geräumt, die die leerstehden Wohnungen nutzen.

In den Redebeiträgen wurde auf die Coral-World (siehe Beitrag unten) eingegangen: Entstehen soll ein 10.000m2 großes Aquarium, 1.000 Parkplätze und ein öffentlich zugänglicher Grünstreifen (aber nur für 20 Jahre!). Auf dem Weg Richtung Hauptstraße ging es um den alten Sportplatz, der aktuell nur noch von Freizeitkicker*innen illegal genutzt werden kann, weil Bauzäune den Weg versperren. Im Hof der Wohnhäuser in der Hauptstraße wurde auf Alternativen zur Bebauung eingegangen. Warum nicht nach dem Vorbild Tempelhofer Feld Bürgergärten einrichten, warum das alte Pumpenhaus nicht zum Stadtteil-Cafe umrüsten, warum nicht die Freiflächen wieder zugänglich machen? Diese und weitere Fragen wurden aufgeworfen und werden bei weiteren Treffen diskutiert. Dick eintragen sollten sich aber alle den Termin der BVV-Sitzung (18.10.) bei der die Bebauungspläne beschlossen werden sollen.

Dokumentation der Beiträge

Nein zur Coral-World

Der Meeresbiologe und Milliardärs-Sohn Benjamin Kahn plant gemeinsam mit dem bezirk auf der Fläche von der Kynaststraße bis hier ans Paul- und Paula-Ufer auf derzeit frei zugänglichen 22.000 m2 mit seinem Unternehmen Coral World International ein Wasserhaus auf 10.000 m2 und einen öffentlichen Wasserpark auf 6000m2 zu bauen, dazu kommen etwa 100 Parkplätze.
Coral World International , welches bereits in Australien und Israel, auf mallorca und Hawai ähnliche Aquaparks betreibt, will hier nach einer 3-5jährigen Bauzeit den zahlkräftigen Besucher*innen die Dimension und Schönheit des Lebensraumes unter Wasser in Form von Wasserbecken mit Korallen, Haien, Rochen und anderen pflanzen- und Tierarten näher bringen.
Für den hier geplanten Wasserpark und das Wasserhaus investiert Coral World etwa 40 Millionen Euro.
Im September 2017 unterzeichneten das Bezirksamt und das Unternehmen den Vertrag.
Die Fraktionsvorsitzende Camilla Schuler vom Bündnis 90/Die Grünen in lichtenberg kristisierte in diesem Vorgang öffentlich, dass der Vertragsabschluss mit Coral World vor dem Beschluss des Bebauungsplanes erfolgt sei, wodurch das Bezirksamt „einseitige Tatsachen“ geschaffen habe.
In der Berliner Wochenausgabe vom 15. September 2017 war die Kritik der Grünen zu lesen, dass wie schon so oft in Berlin ein großer Vertrag mit einem Investor abgeschlossen wurde, bevor das demoktratisch gewählte bezirkliche Gremium, die BVV, einen Bebauungsplan für das Grundstück aufstellen konnte. Womit die Entscheidung faktisch vorweggenommen wurde, da die Bezirksverordneten daraufhin kaum noch die Möglichkeit hatten, etwas Gegenteiliges zu beschließen, wenn sie nicht Schadensersatzforderungen durch den Investor in Kauf nehmen wollten.
Im September vergangenen Jahres kam es zu Protesten zu Land und zu Wasser, welche sich gegen den geplanten Aquapark und Verdrängung und Gentrifizierung im Gebiet an der Mole sowie in Berlin im Allgemeinen aussprachen.
Bereits vor einiger Zeit gab es die Online-Petition „Kein Aquarium in der Rummelsburger Bucht“, welche auf change.org einzusehen ist – die mit rund 2200 Unterschriften nur knapp unter den benötigten 2500 lag.
Unter anderem thematisierte diese die direkte Konkurrenz zum Zoo Aquarium, dessen mehrheitlicher Aktionär das Land Berlin ist. Bei zukünftigen Mindereinnahmen des Zoo-Aquariums werden aufgrund eines Zuwendungsvertrags erhebliche Steuermittel aufzubringen sein, um gegenüber Coral World konkurrenzfähig zu bleiben. Dies ist heute bereits abzusehen und somit nicht akzeptabel.
Mit dem Zoo-Aquarium und dem Sea Life im Dom-Aquarée bestehen bereits zwei große Wasserhäuser in Berlin, welche keines Wegs ausgelastet sind und machen den Bau einer weiteren Institution dieser Art insbesondere in diesen Zeiten, welche von hohem Bedarf an Flächen und Räumen in Berlin geprägt sind unbestreitbar überflüssig.
Desweitern deckt das Zoo-Aquarium den auch in den Reihen des Bezirks und des Senats so befürworteten Schulungsauftrag zum »Lebensraum Wasser« bereits ab, und rechtfertigt insbesondere in Hinblick auf die heuten technischen Möglichkeiten von 3D optik und ähnlichem in keinster Weise die ökobilanz des betreibens einer weiteren Institution dieser art sowie das einsperren bedrohter Tierarten.
Denn das Konzept von Coral World International schliesst das Halten verschiedener Tier- und Korallenarten ein, Besucher*innen werden wie in den anderen Aquaparks von Coral world sprichwörtlich in die Welt der gefangenen Wildtiere »eintauchen« können. Durch Streichelbecken und Tauchgänge wird den Besucher*innen eine natürliche Nähe zu den Tieren suggeriert.
Tatsächlich jedoch haben diese keinerlei Chance, sich zurückzuziehen und dieser Nähe auszuweichen. Der hier verursachte Stress bei Haien, Rochen und anderen Beckenbewohnern führt nachweislich zu Krankheiten bei den Tieren und begünstigt einen frühzeitigen Tod. Eine artgerechte Haltung ist hier absolut nicht erkennbar.
Ganz abgesehn von den Folgen für den Kreislauf des Ökosystems, welche das Entziehen der Tiere aus ihrem natürlichen Lebensumfeld notgedrungenerweise nach sich zieht.
Der Hai, welcher im Konzept von Coral World International einen zentralen Platz einnimmt ist dafür ein gutes Beispiel, da er als jäger bekannt kaum natürliche Feinde hat, bedeutet das entfernen der haie aus ihrem ökosystem, das sich andere populationen vergrößern. Zusätzlich ist der Fang dieser Tiere für diese mit imensem Stress verbunden, weshalb sie oft bereits während des Transports erkranken oder sterben. Die Bedingungen, unter denen die Tiere nun gehalten werden, führen leider nicht – wie fälschlicherweise so oft behauptet wird– zu einer gezielten und geschützten Reproduktion der Tiere sondern vielmehr zu Verhaltensstörungen, Krankheit und frühem Tod und damit zu einer sinkenden Reproduktion. Das wiederum hat zur Folge, dass die Bestände der Aquarien ständig »neu aufgefüllt« werden müssen.Da aufgrund der geringen Platzmöglichkeiten eher kleinere Haie gefangen werden, handelt es sich meist um Jungtiere. Da viele Haie erst mit 10 bis 12 Jahren geschlechtsreif werden, haben wir es mit einem bereits deutlich spürbaren Rückgang der Arten-Reproduktion zu tun. Im Nordpazifik beispielsweise hat sich der Hai-Bestand bereits um 95% verringert. Dieser Eingriff in die Haipopulation führt zu einer Regulationsstörung des gesamten Ökosystems und hat damit langfristig auch Auswirkungen auf den Menschen.
Soviel zum zynischen anspruch von coral world, den menschen die Dimension und Schönheit des Lebensraumes unter Wasser näher bringen zu wollen.
Die natur am Rummelsburger See ist Heimstätte u. a. für viele Wasservogelarten, den Fischotter, den Biber und die Ringelnatter und somit als besonders
schützenswert einzustufen. Durch die Nutzung der Coral World von der erwarteten Besucher*innenzahl von einer halben Millionen Menschen pro Jahr muss von erheblichen Verschmutzungen sowie Ruhestörungen die heimische Tierwelt und die Anwohner*innen ausgegangen werden – das bedeutet eine langfristigen Schädigung des Biotops und der Wohnqualität im Umfeld.
Es ist für uns in keiner weise nachzuvollziehen warum einem naherholungsbereich von berliner*innen, der längst überfälligen inangriffnahme der belastung durch giftige schwermetalle im wasser des rummelsburger sees und einer tatsächlich -bürger*innen-orientierten gemeinsamen Planung der Nutzung einer der letzten Freiflächen im Zentrum der Stadt,die Vertragsunterzeichnung, mit einem unternehmen wie dem der coral world international insbesondere unter den zuvor bereits genannten umständen vorzuziehen ist.
Wir sehen nicht ein warum Vernichtung von einer der wenigen bestehenden durch Berliner Bürger*innen öffentlich genutzen Freiflächen, verringerte Wohnqualität von Anwohner*innen und missachteter Umwelt&Tierschutz, ökologisch unverantwortliches Handeln, unnötige Steuergeldverschwendung und falsch verstandene demokratie bei Entscheidungsfindungen für Bebauungspläne wie diese, den vorrang haben sollen für ein Prestige Projekt von Bezirk und Stadt, welches einzig und allein dem Zweck der Profitmaximierung eines ohnehin schon milliardenschweren Unternehmens dient.

Wir sagen Nein zur Coral World

Notizen zur Hauptstraße 1g-i

– Der Wohnkomplex der Hauptstraße 1 G,H und I: das zwei Häuser in denen bis letztes Jahr rund 30 Mietparteien lebten, viele Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen und Lebensrealitäten, die auch betroffen vom „Aufwertungsprojekt“ am Ostkreuz sind
– In dem Haus, das in den 1920er Jahren gebaut wurde, leben manche Mietparteien seit über 30 Jahren
– vor ca. 8 Jahren hat der stadtbekannte Investor Padovicz die Häuser gekauft, seitdem waren bei Neuvermietung die Mietverträge nur noch auf 1 oder 2 Jahre befristet. Die Laufzeit der Mietverträge wurde immer erst vor Ende der Befristung um willkürliche Zeiträume verlängert (meist zwischen Weihnachten und Neujahr)
– diese Situation führt dazu, dass seit Jahren Menschen ein und aus ziehen: es also eine hohe Fluktuation im Haus gibt, die das Bilden einer festen, solidarischen Hausgemeinschaft erschwert.
– das Voranschreiten des sogenannten B-Plans kriegten die Mieter_innen Ende 2017 zu spüren: Die befristeten Verträge wurden zum ersten Mal nicht mehr verlängert, das betraf 17 von 30 Mietparteien
– Doch: Bewohner_innen begannen sich zusammenzuschließen, zu informieren und zu organisieren: → es wurde klar, dass Mietverträge teilsweise fehlerhaft ausgestellt und Befristungsgründe unwirksam waren
→ trotz Aussagen der HV, sie müssten ihre Wohnungen verlassen trotz der Tatsache, dass die HV Anfang Januar für die Schlüßelübergabe vor der Tür stand, blieben einige bis heute in den Wohnungen.
– anderen haben die vielen Jahren in Unsicherheit und der ständige Kampf gegen die eigene Entmietung viel Kraft gekostet und sie sind gegangen.
– jetzt steht ca. 1/3 der Häuser leer, das z.T. schon seit über einem Jahr.
– Anfang des Jahres entschloßen sich deshalb ein paar Menschen dazu, sich den leerstehenden Wohnraum anzueignen und zogen in leere Wohnungen in der Hauptstraße ein.
– Im Mai kam es dann es dann zur Räumung der zwei besetzten Wohnungen durch die Berliner Polizei in Kooperation mit der Hausreinigungsfirma „Dr. House Solutions“, es gab mehrere Verhaftungen
– ein paar Tage später hat das Abgeordnetenhaus ein offenes Grundstücksgeschäft mit dem Eigentümer vollzogen und damit den Weg zum Abschluss des Bebauungsplans geebnet, der unter anderem den Abriss der beiden Häuser vorsieht.
– Aber wir wollen bleiben!
– Wir verurteilen die Spekulation mit unserem Wohnraum und unsere geplante Verdrängung aus
unseren Häusern, den spekulativen Leerstand bei gleichzeitiger Wohnungsknappheit und Obdachlosigkeit.
→ Es ist ein Hohn, dass so viele Wohnungen leerstehen, während direkt daneben Menschen in Zelten wohnen, die sich keine Miete leisten können. Es ist ein Skandal, dass die Interessen von Spekulant_innen durch die Polizei mit Unterstützung von Firmen und Politik durchgesetzt werden
→ Dazu schweigt die Politik! Wir finden es gut, wenn sich Menschen leerstehenden Wohnraum aneignen, sei es in der Hauptstraße am Ostkreuz oder anderswo.
Wohnraum soll von Menschen genutzt werden, die ihn brauchen! Szenen wie diese hier ist absurd und zeigt auf, wen die Profitinteressen von Investor_innen und die Wachtumspolitik der Stadt am härtesten treffen.

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